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Lebenslinien

 

Auszug aus "Ein Hunsrücker Bub’ - Erinnerungen"
Am Anfang war das Wort – wenn auch wie bei uns allen bis dahin noch ein weiter Weg ist - und so begann alles mit einem irdischen Urlaut, mit dem der neue Erdenbürger Bernd Kunz sein Dasein dieser Welt lautstark verkündete.
Dieses Ereignis fand an einem kühlen und verschneiten Samstag Morgen statt, genau genommen im Januar 1954 in Weiersbach, einem unbedeutenden Flecken im Hunsrück, dem damals wie heute nur die Einheimischen etwas abgewinnen konnten. Außer der Tatsache, dass sich hier der Nahe-Fluss seinen Weg durch das bewaldete Gebirgsmassiv bahnt und die nah’ gelegene Grenze an die Existenz des Saarlandes erinnert, mit dem wir Rheinland-Pfälzer ja ständig in Fehde lagen, gibt es hierüber nichts Nennenswertes zu berichten.
Die ersten sechs Jahre meines Lebens waren wahrscheinlich sehr lehrreich, da mein Opa als Schulmeister der Dorfschule vorstand. Es war ein weiträumiges, altes Haus, unten ein großer Raum, um die Kinder aller Altersklassen zu unterrichten, oben die staatlich verordnete Wohnung mit vielen Zimmern und hohen Decken und hinten der riesige Garten mit Stallungen für Hühner, Schweine und sonstigem Kleingetier.
Bis zur Kirche war es auch nicht weit, und der Sportplatz lag um die Ecke. Mein Vater verdiente sich seine Brötchen als angehender Verwaltungsbeamter und meine Mutter war, wie auch anders, als Hausfrau und landwirtschaftliche Gehilfin meiner Oma tätig – schließlich war man damals noch Vollversorger, bis auf fremdländische Lebensmittel wie Kaffee oder Kakao wurde alles selbst hergestellt, und der Rest wurde dann beim Kauflädchen nebenan besorgt.
Bereits mit fünf Jahren war die dörfliche Idylle zu Ende. Ich wurde im nahe gelegenen Hoppstädten eingeschult, dem Hauptort der heutigen Großgemeinde und marschierte dann jeden Morgen einige Kilometer über die Nahebrücke zum Schulgebäude, in dem ich die nächsten vier Jahre verbringen durfte. Danach ging’s dann zusammen mit einigen wenigen Auserwählten in die Kreisstadt Birkenfeld zum Gymnasium - das leidige Laufen hatte nun ein Ende, denn ein Schulbus verschluckte jeden Morgen die wartende Meute und spuckte sie am späten Nachmittag wieder aus.
Mittlerweile hatte meine Familie sich in Hoppstädten ein Grundstück besorgt und mit der großzügigen Hilfe der Dorfbevölkerung wuchs innerhalb von zwei Jahren ein stattliches Eigenheim heran. Zusammen mit meiner Schwester verbrachte ich hier die jugendlichen Lehr- und Flegeljahre, um dann mit knapp 18 Jahren als Abiturient mit „Großem Latinum“ auf die Menschheit losgelassen zu werden …
 
Anzeige-Collage aus KEYBOARDS 02/1991Unveröffentlichte Anzeige aus meinem Privat-Archiv
 
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